Die Reise zum Zauberer von Oz… (21.03.2019)

Die gelbe Ziegelsteinstraße der Wiener Volksoper führte uns dieses Mal direkt zum “Zauberer von Oz” und wer kennt sie nicht die Geschichte von Dorothy und ihrem Hund Toto, die auf wundersame Weise plötzlich im Lande Oz landen. Der Zauberer von Oz hatte seinen ersten großen Auftritt Ende der 30er Jahre mit Judy Garland und auch heute noch findet man Oz verpackt in Filmen, im Musical und in einer Serie, die Geschichte ist immer noch aktuell. Es gibt bestimmt nur noch wenige die vom Zauberer von Oz noch nichts gehört haben, aber für die Neulinge gibt es hier eine kleine Zusammenfassung:

Dorothy hat Probleme mit der bösen Miss Gulch, diese behauptet, dass ihr Hund Toto sie gebissen hat und immer ihre Katze jagt. Tante Em und ihr Onkel Henry versuchen zu vermitteln, aber die böse Frau lässt sich nicht umstimmen auch von den Farmarbeitern Zeke, Hunk und Hickory, die eigentlich ihre Freunde sind, kann sie keine Hilfe erwarten und so muss sie Toto an Miss Gulch übergeben.  Glücklicherweise kann Toto Miss Gulch entkommen und er kommt zurück zu Dorothy, da sie sich von allen verraten und allein gelassen fühlt, fasst sie den Entschluss, gemeinsam mit Toto von Zuhause wegzulaufen. Auf ihrem Weg begegnet sie dem angeblichen Wahrsager Prof. Marvel, der ihr weismachen möchte, dass ihre Tante schwer krank ist und so eilt sie zurück zur Farm. Plötzlich zieht ein Wirbelsturm auf und während sich alle anderen in den Schutzkeller retten können, kommt Dortohy zu spät und flüchtet sich ins Haus, welches vom Sturm davongewirbelt wird und so landet sie im geheimnisvollen Lande Oz. Sie landet mit ihrem Haus in Munchkin City und zerquetscht dabei die böse Hexe des Ostens und wird von den Munchkins als Heldin gefeiert. Wie aus dem nichts taucht die böse Hexe des Westens auf und möchte die roten Zauberschuhe ihrer Schwester an sich reißen, doch als sie die Schuhe nehmen will, verschwinden diese und wie von Zauberhand erscheinen sie an Dorothys Füßen. Da Dorothy wieder zurück nach Kansas möchte, schickt sie die gute Hexe Glinda in die Smaragdstadt zum Zauberer von Oz, denn dieser könne ihr weiterhelfen. Auf ihrer Reise zum Zauberer schließt sie Freundschaft mit einer Vogelscheuche ohne Verstand, einem Blechmann ohne Herz und einem Löwen ohne Mut und auch sie haben Wünsche, die der Zauberer bestimmt erfüllen kann. Endlich haben sie es zum Zauberer geschafft, er verspricht ihnen ihre Wünsche zu erfüllen, aber dafür müssen sie ihm zuerst den Besen, der böse Hexe des Westens bringen. Der Westhexe kann man nichts verheimlichen und so versucht sie mit allen Mitteln Dorothy und ihre Freunde davon abzuhalten zu ihr zu gelangen, aber ihr verlangen nach der roten Schuhen ist größer. Sie lässt die bissigen Jitterbugs auf sie los, wer von einem Jitterbug gebissen wird, muss bis zur Erschöpfung tanzen. Den Moment der Erschöpfung nutzen die Affen der Westhexe und verschleppen Dorothy und Toto in das Schloss der Hexe. Vogelscheuche, Blechmann und Löwe machen sich auf die Suche um ihre Freunde zu retten. Um ins Schloss zu gelangen besorgen sie sich Winkie-Uniformen und gelangen dadurch hinein und mit Totos Hilfe finden sie zu Dorothy. Die böse Hexe möchte immer noch die Schuhe haben und Dorothy um keinen Preis gehen lassen, sie droht ihr die Vogelscheuche in Brand zu setzen und bevor der Feuerball ihn treffen kann, übergießt Dortohy die Hexe mit Wasser und diese schmilzt. Zurück beim Zauberer, decken sie seinen Schwindel auf, er ist gar kein Zauberer sondern ein einfacher Mann, doch erkennen sie durch ihn, dass sich all ihre Wünsche bereits erfüllt haben. Um ihnen dies zu verdeutlichen bekommt die Vogelscheuche ein Diplom, der Blechmann eine Medaille in Form eines Herzens und der Löwe eine Auszeichnung für Tapferkeit und auch Dorothy erfährt letzten Endes, wie sie mit Hilfe der Schuhe wieder nach Kansas zurückkehren kann. – Sie muss nur die Augen schließen 3x mit den Fersen schlagen und sagen „Es ist nirgends so schön wie zu Hause“!

Die entzückende Juliette Khalil war eine grandiose Dorothy Gale, sie sang mit viel Gefühl und Leidenschaft einen der wohl bekanntesten Musicalhits „Over the Rainbow“. Man spürt ihre große Liebe zu dieser Rolle, sie harmoniert mit all ihren Spielpartnern und stellt sich perfekt auf sie ein. Juliette begibt sich als Dorothy auf eine emotionale Reise und wächst innerlich von Szene zu Szene, am Anfang ist sie noch ein trotziges Kind, welches seinen Willen nicht durchsetzen kann und deswegen der Meinung ist, niemand liebt sie. Doch mit ihrer Ankunft in Oz, wird ihr rasch bewusst, wie wichtig es ist Freunde zu haben und das man gemeinsam einfach alles erreichen kann. Endlich in Kansas zurück, bemerkt sie die Parallelen zu ihren Freunden in Oz und ihr wird bewusst, welch Glück sie hat mit so einer Familie gesegnet zu sein, denn eigentlich hat sie alles was sie braucht um ein erfülltes Leben zu haben.

Meine größte Hochachtung vor Daniel Jeroma er spielt den Hund Toto und das in einer meist gebückten Haltung, bestimmt nicht die bequemste Art und Weise über die Bühne zu flitzen, aber trotz dieser sichtlichen Anstrengung, merkt man davon nichts. Er haucht Toto mit so einer Leichtigkeit und Hingabe, Leben ein, dass man das Gefühl hat, der Hund ist tatsächlich echt.

Almira Gulch / Die böse Hexe des Westens wurde von Christian Graf gespielt. Den coolsten Auftritt hat auf jeden Fall er und auch die Kinder lieben ihn, obwohl er die Böse spielt, empfindet man trotzdem Sympathie für die Hexe. Er verleiht der Westhexe mit viel Charme und Witz eine symphytische und menschliche Seite, denn tief in ihrem Inneren möchte bestimmt auch sie nur geliebt werden.

Sein komödiantisches Talent konnte Peter Lesiak als Hunk / Die Vogelscheuche wieder einmal unter Beweis stellen, diese Rollen sind ihm einfach auf den Leib geschrieben. Es macht riesen Spaß sein Schauspiel und sein unglaubliches Bewegungstalent auf der Bühne zu sehen, man bekommt bei seinen authentischen Darstellungen fast den Eindruck als hätte er keine Knochen sondern wirklich nur Stroh in Armen und Beinen.

Hickory / Der Blechmann wurde von Oliver Liebl verkörpert. Auch wenn der Blechmann behauptet kein Herz zu besitzen, muss ich ihm dabei vehement wiedersprechen. Allein wenn er von seiner großen und tragischen Liebe zu seinem Munchkin-Mädchen erzählt, wird einem sofort bewusst er hat das Herz am rechten Fleck. Oliver verleiht dem Blechmann eine überaus liebevolle und gefühlvolle Seite, der für seine Freundin Dortohy, selbst durchs Feuer gehen würde.

In die Rolle Zeke / Der Löwe schlüpfte Martin Bermoser, ein überaus ängstlicher aber auch sehr liebenswerter Begleiter Dorothys. Er zeigt die komplette Gefühlswelt des Löwen, der seit seiner Kindheit in Angst und Schrecken lebt und deswegen keine Freunde hat, umso glücklicher ist er dann in Dorothy, Vogelscheuche und Blechmann, endlich Freunde fürs Leben gefunden zu haben. Dies zeigt auch schön, man muss nicht immer perfekt sein, man muss nur die richtigen Menschen finden, die einen so akzeptieren wie man ist. Und durch diese Freundschaft gelangt er auch zu seinem Mut! Ohne Martins besondere Bühnenpräsenz und Intensität im Schauspiel würde die Traurigkeit und Verletzlichkeit des Löwen nie so spürbar sein.

Die meisten Lacher heimste dieses tolle Freunde Trio ein, sie treffen exakt den Humor der Kinder und so manches herzhafte Lachen schallte durch den Raum und auch gesanglich konnten sie auf voller Linie überzeugen.

Robert Meyer war als Professor Chester Marvel / Der Zauberer von Oz zu sehen. Besonders Erwähnenswert ist die Szene in welcher er als Prof. Marvel, Dortohy liebevoll anschwindelt. Er erzählt ihr, ihre Tante sei sehr schwer krank, das stimmt natürlich nicht, aber er möchte sie vor Unheil bewahren und sie zu Hause in Sicherheit wissen.

Der Zauberer von Oz war und ist ein Spaß für Groß und Klein, als Kind genießt man einfach die Geschichte und ist fasziniert von dieser zauberhaften Welt und als Erwachsener, darf man sich einfach wieder wie ein Kind fühlen und in die Welt Dorothys eintauchen. Ein großes Dankeschön an das wundervolle Ensemble, die uns einen unvergesslichen Abend beschert haben. Hut ab auch vor dem gesamten Ensemble, Dorothy und ihren 3 Gefährten die beim „Jitterbug“ Blut und Wasser schwitzen, aber als Zuschauer merkt man davon gar nichts, sie haben Spaß und transportieren diesen auch ins Publikum. Wer den Zauberer von Oz noch keinen Besuch abgestattet hat, sollte dies unbedingt noch einplanen, er wird nicht enttäuscht werden!

Jede Geschichte hat ihre Moral und in Oz begegnen uns gleich mehreren davon:

  • Freundschaft & Familie
  • Den Mut an sich selbst zu glauben
  • Das wir uns mehr zutrauen können, als uns bewusst ist
  • Den Glauben an uns selbst
  • Auf unser Inneres zu hören
  • Für andere da zu sein und sich einzusetzen

… und auch wenn wir gerne verreisen und ein Abenteuer erleben, so haben wir doch alle gerne diesen einen Ort, diesen Fixpunkt oder diese eine wichtige Person in unserem Leben, wo wir sagen können: „Hier fühle ich mich zu Hause“!

…Zu Hause ist da wo ich, ich selbst sein kann…

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